Neues aus dem

Gerichtssaal

      mit

  Hartmut Prüss

 

Schöffensaal
Saal 107 - Hier tagt das Jugend/Schöffengericht Düren

          


12.09.2017


Gebrauchtwagen verkauft, der in Frankreich

gestohlen war

 

Schöffengericht verurteilt 37-Jährigen zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Gewerbsmäßige Hehlerei, Betrug und Urkundenfälschung.


Düren. Ersten Kontakt gab es damals im September 2015 über ein Gebrauchtwagen-Portal im Internet. Dort hatte der Freund einer damals 35 Jahre alten Bankkauffrau aus dem Münsterland, die vor Gericht als Zeugin aussagte, das passende Fahrzeug für sich und seine Lebensgefährtin gefunden. Es folgte ein zweiter Kontakt über Mobiltelefon, bei dem das Übergabe-Procedere besprochen wurde.

In der Holzstraße in Düren sollte das Fahrzeug den Besitzer wechseln – ursprünglich für 20.000 Euro, nachher für 17.000 Euro, weil der Wagen Steinschläge und eine Beule an der Fahrerseite hatte.


Was das Käufer-Pärchen nicht ahnte:

Der Mittelklasse-Pkw stammte aus einem Diebstahl in Frankreich, die Kennzeichen von einem Diebstahl in Deutschland. Die Fahrzeugpapiere waren ebenso Fälschungen, wie der „vorläufige Personalausweis“ des Verkäufers, der den Kaufvertrag – natürlich – mit diesem falschen Namen unterschrieb. Zuhause in Westfalen dann weitere böse Überraschungen: Das Auto war nach Auskunft einer Fachwerkstatt selbst den geringeren Preis nicht wert, unter anderem weil der Tacho manipuliert war. Am Rande stellte sich heraus, dass von den ursprünglich drei Schlüsseln des Pkw nur zwei übergeben worden waren, von denen nur einer passte.


Über Fingerabdrücke wurde der Angeklagte, ein 37-Jähriger aus Köln ermittelt. Der war geständig, erzählte aber vor Gericht, von einem vermeintlichen Autohändler gefragt worden zu sein, ob er nicht als Verkäufer auftreten könne, um so die Kosten für die Ummeldung des Fahrzeuges zu sparen. Diesen Hintermann kenne er zwar, wollte aber dessen Namen nicht preisgeben. Auf Vorhaltung gab der Angeklagte sogar zu: „Ich habe schon geahnt, dass da etwas faul dran ist.“ Aber damals habe er regelmäßig Heroin konsumiert, die rund 1000 bis 1200 Euro Provision gebraucht und deshalb nicht lange gefragt.


Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Christine Lange verurteilte den 37-Jährige wegen gewerbsmäßiger Hehlerei, Betruges und Urkundenfälschung unter Einbeziehung einer bereits erfolgten Verurteilung zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft.


Das Pärchen aus dem Münsterland hat nach eigenem Bekunden das Auto ein dreiviertel Jahr unbenutzt in einer Garage abgestellt, ehe es von einer französischen Leasingfirma, die rechtmäßige Eigentümerin ist, abgeholt wurde. Vom damals gezahlten Kaufpreis sei bis auf einen Schuldentitel bis auf Weiteres nichts in Sicht.       

                                   

Das Urteil vom 12. September 2017 (Az.: 13 Ls 32/17 – 603 Js 694/16) ist noch nicht rechtskräftig.

 











31.07.2017

Zugführer konnte den Täter in seinem Spiegel beobachten

 

34-Jähriger wird wegen versuchten Raubes und Körperverletzung zu sechsmonatiger Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte es auf ein Handy abgesehen.


Düren. Das Schöffengericht kam nach mehreren Prozesstagen und der Auswertung zahlreicher Zeugenaussagen zu der Überzeugung, dass ein inzwischen 34 Jahre alter Mann aus Niederzier einer 23-jährigen Frau aus Essen deren Handy abnehmen wollte. Auch wenn es bei den Wahrnehmungen der Zeugen zum Tatgeschehen mitunter deutliche Abweichungen gab, so sah das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft die in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfe des versuchten Raubes und der Körperverletzung bestätigt. Es verurteilte den Angeklagten wegen versuchten Raubes sowie wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird.


Tatort war am 08. Mai 2016 gegen 22 Uhr ein Zug der Rurtalbahn. An der Haltestelle „Im großen Tal“ hatte der Mann kurz vor dem Aussteigen versucht, der jungen Frau deren Smartphone zu entreißen. Da die Frau ihr Mobiltelefon krampfhaft festhielt und um Hilfe schrie, misslang der Coup. Pech für den Angeklagten, denn sein Tun wurde vom Zugführer im Spiegel zur Innenraum-Beobachtung gesehen. „Ich habe im Spiegel genau gesehen, dass er nach dem Handy griff“, erklärte der Zeuge. Am ersten Prozesstag hatte es geheißen, der Angeklagte habe die Frau „angrabschen“ wollen. Bei dem Gerangel um das Mobiltelefon war der Frau ein Fingernagel abgebrochen und sie klagte über Schmerzen am Handgelenk, so dass die Staatsanwaltschaft auch eine Körperverletzung angeklagt hatte. 


Der Angeklagte erklärte vor Gericht, er habe vor der Tat ein paar Flaschen Wein getrunken und Kokain konsumiert. In der Folge habe er zeitweise einen Filmriss. Zentrale Frage war in dem Verfahren, ob es sich um einen versuchten Diebstahl oder einen versuchten Raub handelte. Diesbezüglich glaubt das Gericht dem Opfer. Die Frau beteuerte, sie habe das Smartphone mit beiden Händen festhalten müssen.


Als Gutachterin war von Beginn des Prozesses an eine Rechtsmedizinerin der Uni-Klinik Köln beteiligt. Eine völlig aufgehobene Steuerungsfähigkeit sei auszuschließen, erklärte die Ärztin zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten. Allerdings wurde bedauert, dass keine konkreten Blutwerte vorlagen.                       

Das Urteil vom 31.Juli 2017 (Az.: 13 Ls 80/16 – 504 Js 1164/16) ist rechtskräftig.




27.07.2017

Diebesgut im Wert von

3,07 Euro

wird erheblich teurer

 

35-jähriger aus Düren vom Schöffengericht zu 300 Euro Geldstrafe verurteilt. In Discount-Markt „lange Finger“ gemacht. Auch seine Freundin bestraft.


Düren. Bei näherer Betrachtung ist der Besuch eines Discount-Marktes in der Innenstadt für einen 35 Jahre alten Mann aus Düren ziemlich teuer geworden. Er hatte am 11. Januar das Geschäft morgens kurz vor 9 Uhr betreten und zwei Flaschen Alkopops sowie eine Packung Schokoladenkekse mitgehen lassen, ohne die Waren an der Kasse zu bezahlen. Dies gab er vor dem Schöffengericht, vor dem er sich zu verantworten hatte, unumwunden zu. Der Wert der damaligen Beute betrug 3,07 Euro – die jetzige Strafe dagegen 30 Tagessätze zu je zehn Euro, also insgesamt 300 Euro.


Dabei hatte der Angeklagte noch Glück, denn die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen räuberischen Diebstahls angeklagt. Dies wiederum hätte eine empfindliche Freiheitsstrafe – mindestens sechs Monate bis zu fünf Jahren – zur Folge gehabt. Bereits bei der Beweisaufnahme deutete die Vorsitzende Richterin Verena Neft an, dass nach den Aussagen der Zeugen eher von einem einfachen Diebstahl geringwertiger Sachen auszugehen sei. Als der Täter von einem Mitarbeiter des Verbrauchermarktes festgehalten worden war, habe er sich zu der Tat bekannt, sich allerdings nicht in das Geschäft zurückbringen lassen, sondern draußen auf die Polizei warten wollen. Überhaupt erfülle sein Verhalten nach Ansicht des Gerichts nicht die Tatmerkmale eines räuberischen Diebstahls.


Ebenfalls auf der Anklagebank saß die 44-jährige Lebensgefährtin des Angeklagten. Schnell stellte sich heraus, dass sie erst von dem Diebstahl erfahren hatte, nachdem ihr Freund das Geschäft verlassen hatte. Aber auch sie wurde vom Gericht zu 30 Tagessätzen zu zehn Euro verurteilt, und zwar wegen fahrlässiger Körperverletzung. Als der Mitarbeiter ihren Freund festhalten und ins Geschäft zurückbringen wollte, habe sie sich so heftig eingemischt und dazwischen gestellt, dass alle Drei zu Boden gegangen seien und sich der Kaufmann Prellungen an der Hüfte zugezogen hatte.


Am Rande wurde deutlich, dass das Paar zur Tatzeit offensichtlich unter Drogeneinfluss stand.


Das Urteil vom 27. Juli 2017 (Az.: 13 Ls 31/17 – 407 Js 284/17) ist rechtskräftig.





27.06.2017

Drei Jahre Gefängnis nach

Messerstich in den Po

 

24-Jähriger wird wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung verurteilt. Zudem 1000 Euro Schmerzensgeld für das Opfer.


Düren / Jülich. Zurück in die Zelle musste ein 24 Jahre alter Mann aus dem Nordkreis. Das Dürener Schöffengericht ist davon überzeugt, dass er vor fünf Monaten, am 23. Januar, einem 20-Jährigen ein Messer mit beidseitig geschliffener Klinge in die Unterseite des Gesäßes gestochen hat. Zudem wurde mit dem Urteil eine versuchte Nötigung quittiert, nachdem der Angeklagte seinem Opfer offenbar Rache für den Fall einer Anzeige bei der Polizei angedroht hatte.


Der Angeklagte ist angeblich im Rocker-Milieu unterwegs, wie in der Hauptverhandlung vor Gericht mehrfach zur Sprache kam. An besagtem Januarabend hatte er gegen 19 Uhr den 20-Jährigen, den er von früher kannte, über Handy angerufen, um ein Treffen zu vereinbaren. Da der Jüngere gerade in einem Jülicher Fitness-Studio trainierte, trafen sich die beiden Männer auf dem Parkplatz dieses Studios. Dort habe der Angeklagte ihn aggressiv gefragt, ob er über ihn und „seine Jungs“ schlecht geredet hat. Nachdem der Befragte sinngemäß antwortete, „du hast nicht gerade den besten Ruf“, habe er einen Faustschlag ins Gesicht bekommen und unmittelbar danach einen Messerstich ins Gesäß. „Er hat mich mit einer Hand an der Schulter festgehalten und mit dem Messer in der anderen Hand zugestochen,“ schilderde das Opfer im Zeugenstand.


Da sein Gegenüber ihm körperlich sichtlich überlegen war, habe er die Drohung, die Polizei herauszuhalten, ernst genommen und aus Angst auch keinen Rettungswagen gerufen. Vielmehr sei er, die blutende Wunde mit einem Handtuch verbunden, selbst mit dem eigenen Wagen ins Krankenhaus gefahren. Nach der Operation sei er vier Tage stationär behandelt worden, habe lange gar nicht sitzen können und sei sechs Wochen lang an Krücken gelaufen. Unter dem Strich hatte der 20-Jährige noch Glück, denn die Messerklinge verfehlte eine Hauptschlagader nur um wenige Zentimeter.


Dass die Tat doch noch juristisch gewürdigt wurde, lag daran, dass sich das Opfer vom Krankenhaus aus an einen Rechtsanwalt wandte. Der wiederum schaltete die Polizei ein.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange verurteilte den 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Dies entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Außerdem muss er an den 20-Jährigen 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Verteidiger des Angeklagten hatte von Notwehr gesprochen und auf Freispruch plädiert. Das Gericht folgte der Version, sein Mandant habe dem Kontrahenten dessen Messer weggenommen und dann zugestochen, nicht. Dagegen spräche die körperliche Überlegenheit des Angeklagten und zudem sei es nur schwer vorstellbar, dass man zum Fitness-Training ein Messer mitnimmt. 

 

Das Urteil vom 27. Juni 2017 (Az.: 13 Ls 41/17 – 903 Js 88/17) ist noch nicht rechtskräftig.





11.05.2017

Autofahrer wurde nach Unfall vor einer Schule aggressiv

 

37-Jähriger wegen Nötigung, Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Spätes Geständnis und ein paar Ungereimtheiten.


Düren / Langerwehe. Ein nicht alltäglicher Zwischenfall vom Dezember 2015 vor einer Schule an der Burgauer Allee in Düren beschäftigte jetzt das Dürener Schöffengericht.


Damals waren ein inzwischen 37 Jahre alter Mann aus Langerwehe sowie zwei heute 18-jährige Schüler aneinander gerasselt. Genau genommen war noch ein dritter jüngerer Schüler dabei, der allerdings in dem Prozess allenfalls eine Nebenrolle spielte, weil er nur als Fußgänger, nicht aber an dem eigentlichen Geschehen beteiligt war.


An jenem 9. Dezember vor anderthalb Jahren waren die beiden Klassenkameraden gegen 13.15 Uhr nach der Schule zu Fuß auf der Burgauer Allee unterwegs. In gleicher Richtung fuhr ein Pkw, der nach Angaben der Zeugen „deutlich schneller als mit Schrittgeschwindigkeit“ unterwegs war. Als Auto und Fußgänger sich auf gleicher Höhe befanden, soll es dann passiert sein: Einer der Schüler behauptet, sein Fuß sei vom rechten Vorderrad des Wagens überrollt worden. Beim Versuch, sich selbst von dem Fahrzeug wegzustoßen, habe er sich zudem an einem Finger eine Prellung zugezogen. Nachdem er über den Fahrer laut geschimpft habe, sei dieser dann ein Stück weiter mit dem Wagen stehen geblieben, ausgestiegen und habe ihn bedroht.

Dies bestätigte sein Schulfreund, der versucht habe, dazwischen zu gehen, aber weggeschubst wurde. Sein direkt betroffener Freund klagte nach dem Zwischenfall außerdem über einen schmerzenden großen Zeh sowie über Nackenschmerzen. Der Angeklagte wollte zu Beginn des Prozesses zunächst gar nicht der Fahrer des besagten Pkw gewesen sein, räumte dies aber später ein. Den Unfall mit dem überrollten Fuß bestritt er ebenso, wie einen Schlag in den Nacken des Schülers. Er habe ihn nur am Halskragen gepackt.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den 37-Jährigen wegen Nötigung, fahrlässiger (beim Unfall) sowie vorsätzlicher Körperverletzung (beim anschließenden Gerangel) sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten. Erschwerend kam hinzu, dass der Angeklagte ein paar Wochen vor der Tat vom Amtsgerichts Düren wegen eines Verkehrsvergehens zu 120 Tagessätzen verurteilt worden war. Zu den Bewährungsauflagen gehören 50 Sozialstunden. Darüber hinaus wird das Straßenverkehrsamt angewiesen, eine neue Fahrerlaubnis nicht vor Ablauf eines weiteren Jahres zu erteilen.    

                     

Das Urteil vom 11. Mai 2017 (Az.: 13 Ls 45/16 – 602 Js 579/16) ist noch nicht rechtskräftig.

 







25.04.2017

Für Werkzeuge und Spiele kassiert, die es gar nicht gab

 

Zu Unrecht Geld von der Job-Com bekommen. Gericht verurteilt einen 28-Jährigen aus Langerwehe wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten.


Düren / Langerwehe. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in zunächst 46 Fällen hatte sich ein 28 Jahre alter Mann aus Langerwehe vor dem Dürener Schöffengericht zu verantworten.


Zwischen September 2015 und Januar 2016 hatte er über ein Kleinanzeigen-Portal im Internet vornehmlich Werkzeuge und Computerspiele angeboten, von den Käufern Geld kassiert, die Waren aber nie geliefert, weil sie offensichtlich überhaupt nicht existierten. Insgesamt 46 Mal zog er diese Masche durch und richtete einen Gesamtschaden in Höhe von 4709 Euro an. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sicherte er sich so eine dauerhafte Einnahmequelle, so dass er wegen gewerbsmäßigen Betrugs in besonders schwerem Fall angeklagt wurde.


Vor dem Dürener Schöffengericht wurde er ein weiteres Mal wegen Betruges angeklagt, weil er von Anfang 2016 an drei Monate lang von der Job-Com finanzielle Unterstützung kassierte, insgesamt übrigens 1294,18 Euro, obwohl er bereits eine neue Festanstellung hatte. Der Angeklagte legte vor Gericht ein umfangreiches Geständnis ab. Ursache für sein kriminelles Handeln sei seine damalige Kokain-Abhängigkeit gewesen. Inzwischen habe er eine Therapie gemacht und sei diesbezüglich wieder auf einem guten Weg. Auch beruflich habe er wieder Fuß gefasst und er plane für eine seriöse Zukunft.

Wie ernst er dies meinte, unterstrich seine Verteidigerin, die darauf hinwies, dass der 28-Jährige sich bei allen Geschädigten schriftlich entschuldigt und bereits mit der Wiedergutmachung der Schäden in kleinen Raten – soweit ihm dies möglich sei – begonnen habe.


Da der Angeklagte bereits wegen Betrügereien verurteilt worden war, beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Verteidigerin plädierte auf eine Bewährungsstrafe „unter einem Jahr“.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange schloss sich dem Antrag des Staatsanwalts an. Zu den Bewährungsauflagen gehören die regelmäßige Vorlage eines Drogen-Screenings sowie der Nachweis zur Teilnahme an einer Drogenberatung.                                    

Das Urteil vom 25. April 2017 (Az.: 13 Ls 82/16 – 804 Js 411/16) ist rechtskräftig.






25.04.2017

Rätsel um nächtlichen Brandsatz wird wohl ungelöst bleiben

 

Schöffengericht spricht 49-Jährigen frei.


Mitglieder einer Familie bezichtigten ihn,

Anstifter einer versuchten schweren Brandstiftung in Nörvenich

gewesen zu sein.


Düren / Nörvenich. Die Tat war unstrittig ein Verbrechen. Damals, am 8. Oktober 2013 flog nachts gegen 03.40 Uhr ein Brandsatz in Form eines so genannten Molotow-Cocktails über das Hoftor eines ehemaligen Bauernhofs in einem Ortsteil der Gemeinde Nörvenich. Der Schaden war eher gering, denn ein normalerweise dort parkender Pkw war ausnahmsweise an einer anderen Stelle des Gehöftes abgestellt worden. Auch eine Scheune wurde von dem Brandsatz in einem Kaffee-Glas, aus der sich die brennende Flüssigkeit ergoss, glücklicherweise verfehlt. In dem Haus wohnte damals übrigens eine dreiköpfige Familie.


Vor dem Schöffengericht Düren hatte sich in diesem Zusammenhang ein heute 49 Jahre alter Kaufmann aus Kerpen zu verantworten. Die Anklage warf ihm Anstiftung zur versuchten schweren Brandstiftung vor. In Verdacht geraten war er, weil der Hausherr des Hofes einer seiner ehemaligen Mitarbeiter war, mit dem er allerdings zerstritten war. Ein anderer Zeuge hatte den Mann bei einer Vernehmung bei der Polizei offensichtlich beschuldigt. Es war sogar die Rede davon, dass der Kaufmann, der damals einen Heizölhandel und dafür notwendige Tankfahrzeuge betrieb, für dieses Verbrechen mehrere tausend Euro an unbekannte Täter bezahlt haben sollte.

Bei näherer Betrachtung und nach Anhörung von fünf Zeugen kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die wahren Hintergründe dieser Tat wahrscheinlich nie ganz geklärt werden. Mehrere Angehörige einer zerstrittenen Familie sowie deren Bekannte, die sich aus einer Justizvollzugsanstalt kannten, waren als Fahrer für den Heizölhändler tätig. Als der Kaufmann Anfang 2014 die Branche wechselte, bot er seinen Ex-Mitarbeitern Starthilfe an, um sich als Heizöl-Spediteure selbstständig zu machen. Dem Vernehmen nach funktionierte die vereinbarte Kooperation nicht so richtig, denn weder fällige Raten für den Tankwagen, noch Rechnungen der Raffinerie wurden bezahlt. Ein Mahnbescheid des Kaufmanns brachte die Familienmitglieder offenbar auf die Palme.


Nachdem das Gericht von Zeugen viele Geschichten gehört hatte, deren Wahrheitsgehalt zumindest teilweise fragwürdig erschien, bröckelten auch die Schilderungen einstiger Belastungszeugen.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange sprach den 49-Jährigen frei.

Es folgte damit den übereinstimmenden Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.                                            

Das Urteil vom 25. April 2017 (AZ.: 13 Ls 47/15 – 407 Js 1405/13) ist rechtskräftig.



 

18.04.2017

Opfer einer Attacke war

stärker als der Angreifer 

 

Vor Gericht blieb der Vorwurf des versuchten Raubes unbewiesen. 28-Jähriger wegen Körperverletzung und versuchten Diebstahls zu zehn Monaten verurteilt.


Düren / Langerwehe. An den Falschen geraten ist ein heute 28 Jahre alter Mann, der seit 2015 in Deutschland lebt. Am Morgen des 3. April vergangenen Jahres war er am Wirteltorplatz in Düren in einem Hausflur mit einem jetzt 43-jährigen Koch aneinandergeraten. Unstrittig ist, dass die beiden Männer zur Tatzeit angetrunken waren. Die Staatsanwaltschaft hatte den 28-Jährigen unter anderem wegen versuchten Raubes angeklagt, denn im Laufe einer von ihm angezettelten Schlägerei habe er versucht, dem Koch offenbar Wertgegenstände aus der Jacke abzugreifen.


Nachdem ein hinzu gekommener Zeuge vor dem Dürener Schöffengericht ausgesagt hatte, dass der Angegriffene letztendlich stärker war als der Angreifer, war das Gericht nicht mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit von der räuberischen Absicht überzeugt. Es beschränkte sich bei der juristischen Würdigung auf die Körperverletzung, die der 28-Jährige ohne Umschweife gestanden hatte.


Ein zweiter Tatvorwurf bezog sich auf eine Tat, die sich knapp drei Wochen später im Regionalzug von Köln nach Aachen ereignete. In Düren waren kurz nach Mitternacht drei männliche Personen in den Zug gestiegen, von denen eine im Vorbeigehen den auf dem Nachbarsitz abgestellten Rucksack eines 33-jährigen Studenten mitgehen lies. Der kurz eingenickte Geschädigte wachte jedoch rechtzeitig auf, lief den Tätern hinterher und holte sich sein Eigentum zurück. Über eine Personenbeschreibung konnte die Polizei noch in der Nacht am Bahnhof Eschweiler zwei Tatverdächtige ermitteln. Wenngleich der Angeklagte diesen Vorwurf leugnete, sah das Gericht ihn zumindest als Mittäter. Bei einem Foto-Vergleich in Aachen erkannte der Student die beiden Tatverdächtigen „mit 80-prozentiger Sicherheit“ wieder.    

  

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Da der Angeklagte wegen diverser Eigentumsdelikte bereits mehrfach in Erscheinung getreten und zudem erst wenige Wochen vor der ersten jetzt in Düren verhandelten Tat in Köln zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war, wurde die neue Freiheitsstrafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt. So blieb auch der Haftbefehl – der Angeklagte wurde aus der U-Haft dem Gericht in Düren vorgeführt – aufrechterhalten.                                                

Das Urteil vom 18. April 2017 (Az.: 13 Ls 16/17 – 806 Js 1255/16) ist rechtskräftig.

 



06.04.2017


Beschlagnahmte Menge hätte für 21.400 Joints gereicht.

56-Jähriger aus Düren betrieb in seinem Haus eine illegale Cannabis-Plantage.


Schöffengericht verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe und Geldauflage.


Düren. Ohne große Umschweife geständig zeigte sich ein 56 Jahre alter Mann aus Düren, der in seinem Haus im Stadtteil Rölsdorf zwischen Oktober 2015 und Juni 2016 eine umfangreiche Cannabis-Plantage betrieben hatte. Als die Polizei damals zur Hausdurchsuchung anrückte, fanden die Ermittler vier Räume, in denen sich Marihuana-Pflanzen jeweils unterschiedlicher Wachstums-Stufen befanden. Akribisch listete die Staatsanwältin vor dem Dürener Schöffengericht auf, wie viele Pflanzen des Betäubungsmittels – vom Setzling bis zur abgeernteten und getrockneten Pflanze – im vergangenen Sommer beschlagnahmt worden waren.


Insgesamt handelte es sich um 520 Pflanzen oder 4,3 Kilogramm Marihuana. Umgerechnet hätte der verarbeitete Rohstoff aus dieser illegalen Plantage – so hieß es vor Gericht – für 21.400 Konsumeinheiten, so genannten Joints, gereicht. Angesichts dieser Größenordnung glaubte das Gericht dem 56-Jährigen auch nicht, dass er die Anlage ausschließlich zum eigenen Bedarf betrieb und diese große Menge auf das Experimentieren mit den Pflanzen zurückzuführen sei. Vielmehr nahm das Gericht an, ein Teil des Haschs sei für den Handel bestimmt gewesen.


Bei der Erörterung der persönlichen Verhältnisse wurde deutlich, dass der mit seiner Familie aus dem Iran geflüchtete Mann sehr schnell in Deutschland Fuß gefasst und auch die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte. Fünf Jahre lang arbeitete er in der Industrie, ehe er diese Tätigkeit wegen Rückenproblemen und einer Schulterverletzung aufgeben musste.

Verschiedene Schmerztherapien halfen dem 56-Jährigen offenbar nicht, so dass er nach eigenem Bekunden auf die heilende Wirkung der Cannabis-Pflanzen hoffte. Er verdiente in der Folgezeit seinen Lebensunterhalt mit einem eigenen kleinen Laden. Strafrechtlich war er bis zur jetzigen Verhandlung ein unbeschriebenes Blatt.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den Mann wegen unerlaubten Handeltreibens von Betäubungsmitteln zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Zu den Bewährungsauflagen gehört unter anderem eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro, die allerdings mit einem bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Betrag von 995 Euro aus der Ladenkasse verrechnet wird.   

                                                                              

Das Urteil vom 6. April 2017 (Az.: 13 Ls 4/17 – 102 Js 627/16) ist rechtskräftig.

 

 




                                                            21.2.2017


Roller-Schrauber stolpert über besonders auffälligen Auspuff

 

32-Jähriger aus Düren vom Schöffengericht wegen Sachbeschädigung, Diebstahls, Urkundenfälschung und Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt




Düren. Die Staatsanwaltschaft hatte eine ganze Reihe von Tatvorwürfen gegen einen 32-Jährigen Dürener aufgelistet: gewerbsmäßigen Betrug, Diebstahl, Hehlerei. Urkundenfälschung, Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz.


Dreh- und Angelpunkt war eine Garage im Gewerbegebiet im Großen Tal in Düren. Dort betrieb der arbeitslose Koch eine wie auch immer geartete Werkstatt. Denn nach eigenem Bekunden schraubt er mit Leidenschaft an Motorrollern. Seine Vorliebe gilt den Produkten eines italienischen Herstellers.


Durch das Internet wurde eine heute 47-jährige Sekretärin aus Mönchengladbach auf den Mann in der Rurstadt aufmerksam. Sie wollte ihr zweirädriges Schätzchen von besagtem Roller-Schrauber gründlich restaurieren lassen. Nach zwei Anzahlungen in Höhe von 200 und 250 Euro hoffte sie im Sommer oder Herbst 2015 ihren flotten Roller wiederzubekommen. Doch der 32-Jährige habe weder auf SMS noch auf einen Einschreibe-Brief reagiert. Die Folge war schließlich eine Anzeige.


Dies wiederum kann der Hobby-Mechaniker nicht verstehen. Es seien noch weitere Arbeiten nötig und auch besprochen gewesen. Aber die Frau habe nichts mehr von sich hören lassen. In der Zwischenzeit habe er ein neues Handy bekommen und der Brief sei ihm nicht zugestellt worden – wie auch, denn die Adresse weise auf besagten Garagenhof hin, erklärte sein Verteidiger. Kurzum: Der Roller könne gerne angeholt werden, entweder im jetzigen Zustand, oder später und dann fertig repariert. 


Die Sache mit dem Handy füllte einen weiteren Komplex vor Gericht. Ein Bekannter hatte dem Angeklagten ein Handy zur Nutzung überlassen, dieses jedoch irgendwann zurückhaben wollen. Mithilfe eines weiteren Bekannten sollte das Mobiltelefon zurückgeholt werden, aber das Treffen endete im Krach, bei dem der Angeklagte nach eigenem Bekunden durch eine Gaspistole verletzt worden sei. Ein Schrauber-Kollege warf dem Angeklagten zudem vor, in seine Werkstatt eingebrochen zu sein und leergeräumt zu haben. Das bei ihm gefundene vermeintliche Diebesgut wie Bohrmaschine, Winkelschleifer und Schweißer-Maske, habe – so der Angeklagte – der bestohlene Kollege ihm für einen Kredit als Pfand überlassen.


Erst beim Fortsetzungstermin dieses Prozesses räumte der Angeklagte über seinen Verteidiger ein, dass es in einem weiteren Punkt zumindest teilweise so gewesen sei, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift aufgeführt hatte. Ein 39 Jahre alter Zeuge hatte im Mai 2015 in Düren nämlich ein italienisches Kult-Moped gesehen, an dem ein seltener Edelstahl-Auspuff montiert war, der ursprünglich offensichtlich zu seinem Roller gehörte. Dieser war kurz zuvor gestohlen worden. Der Auspuff hatte ein sehr spezielles Wiedererkennungszeichen. Nachdem er den Angeklagten auf den Diebstahl angesprochen hatte, leugnete dieser zunächst. Allerdings stand besagter Motor-Roller am nächsten Tag wieder dort – diesmal mit anderem, weniger auffälligen Auspuff.

Nach der geständigen Einlassung zu diesem Fall verzichtete das Gericht auf weitere Zeugenaussagen.


Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den 32-Jährigen, der mit Einträgen im Bundeszentralregister für die Justiz kein Unbekannter ist, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird. Diese „Milde“ begründete die Vorsitzende damit, dass der Angeklagte derzeit erstmals eine Haftstrafe absitzt und sich dies sicherlich zur Abschreckung dienen lasse. Zu den Bewährungsauflagen gehört unter anderem die Ableistung von 80 Sozialstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung.

Das Urteil entspricht dem Antrag der Staatsanwältin, während der Verteidiger auf eine neunmonatige Bewährungsstrafe plädiert hatte.  

           

Das Urteil vom 21. Februar 2017 (Az.: 13 Ls 71/16 – 804 Js 1409/15) ist rechtskräftig.




09.02.2017

Teure Quittung nach gefährlicher Flucht vor der Polizei


Schöffengericht verurteilt 42-Jährigen zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe. 2000 Euro Geldbuße an gemeinnützige Einrichtung


Düren / Hürtgenwald / Stolberg. Wichtige Frage in einem Prozess vor dem Dürener Schöffengericht:

Wer saß am Steuer eines Autos, das zwei Polizisten am späten Abend des 21. Juli 2015 bei Vossenack kontrollieren wollten?


Zur Klärung hatte das Gericht die Mutter des Angeklagten als Zeugin geladen. Denn der 42-jährige damalige Besitzer des Autos behauptete bis zuletzt, er sei damals nicht Fahrer des Wagens gewesen.


Was war passiert:

Die Besatzung eines Streifenwagens war in Vossenack auf den Pkw mit  AC - Kennzeichen aufmerksam geworden, weil einer der beiden Beamten wusste, dass dem Fahrzeughalter die Fahrerlaubnis entzogen worden, gleichwohl das Auto regelmäßig in der Gemeinde Hürtgenwald unterwegs war.

Vor diesem Hintergrund wollten die beiden Polizisten deshalb auch Fahrzeug und Fahrer kontrollieren. Allerdings wurden Anhaltezeichen und Blaulicht ignoriert. Stattdessen fuhr der Wagen mit hohem Tempo Richtung Raffelsbrand und weiter nach Stolberg-Zweifall. Unterwegs versuchte der Fahrer des Fluchtfahrzeuges – so berichteten die beiden Beamten als Zeugen – den Streifenwagen zunächst auszubremsen und später seitlich zu rammen und von der Straße abzudrängen. Am Ende der waghalsigen Verfolgungsfahrt, die in einem Waldweg bei Zweifall endete, war der 42-Jährige beim Verlassen des Wagens im Scheinwerferkegel des Fernlichtes eindeutig von den beiden Polizisten erkannt worden.


Als weitere Zeugin sagte am zweiten Prozesstag die Mutter des Angeklagten aus. Ihr Sohn sei, nachdem ihm die Fahrerlaubnis entzogen worden war, mit seinem Pkw von ihr und weiteren Bekannten zur Arbeit chauffiert worden. An Details des Tatabends konnte sie sich aber nicht genau erinnern. Sie berichtete, das Auto sei irgendwann nicht mehr angesprungen und deshalb zum Ausschlachten an einen Niederländer verkauft worden. Bei Detailfragen gab es indes weitere Ungereimtheiten. So habe der Mann für das Auto zwar 900 Euro bezahlt, den Autoschlüssel aber später in ihren Briefkasten geworfen und sich auch nie mehr gemeldet. Das Gericht jedenfalls war spätestens danach von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.


Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange verurteilte den mittlerweile in Herzogenrath wohnenden Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Diese Quittung wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte in besonders schwerem Fall sowie wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis hatte auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragt, während der Verteidiger auf Freispruch plädierte.

Zu den Bewährungsauflagen gehören die Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung sowie eine weitere zweijährige Sperre, den Führerschein wieder zu bekommen.   

 

Das Urteil vom 9. Februar 2017 (Az.: 13 Ls 86/16 – 504 Js 1546/15) ist noch nicht rechtskräftig.

 





07.02.2017

Gericht spricht 53-Jährigen

vom Vorwurf der Untreue frei

 

Der Mann aus der Gemeinde Hürtgenwald hatte in knapp acht Monaten immer wieder Geld vom Konto seiner an Demenz erkrankten Mutter abgehoben


Düren / Hürtgenwald / Heimbach. Insgesamt 38 Mal hat ein 53-Jähriger aus Hürtgenwald zwischen Juni 2014 und Januar 2015 Geld vom Konto seiner Mutter abgehoben oder Rechnungen bezahlt. Insgesamt verschwand eine Summe von 13.160,48 Euro. Ob die 83-jährige Frau dies realisiert hat, ist eher unwahrscheinlich, denn sie ist an Demenz erkrankt und lebt jetzt in einer Heimbacher Senioreneinrichtung.


Dieses Heim schickte dem Sohn im Frühjahr 2015 eine finanzielle Forderung, in der von „6.026 Euro Rückständen“ die Rede war. Da er gerne wissen wollte, wie sich dieser Betrag zusammensetzt, forderte er eine differenzierte Rechnung - und zahlte nicht. Er war als einziges Kind zunächst auch der Betreuer der Mutter, hatte jedoch die Sozialbehörden gebeten, mithilfe des Amtsgerichts einen Berufsbetreuer mit der Wahrnehmung vor allem der wirtschaftlichen Interessen seiner Mutter zu beauftragen. Lediglich für Gesundheitsfürsorge der alten Dame sowie deren Aufenthaltsbestimmung wollte er weiterhin verantwortlich sein.


Im Mai 2015 wurde die Betreuung der Frau in geschäftlichen und finanziellen Angelegenheiten einem Betreuer übertragen. Der sah sich mit der Forderung des Seniorenheimes konfrontiert und bemerkte auf den Kontoauszügen von vor der Zeit seiner Zuständigkeit zahlreiche unerklärliche Abbuchungen. So kam es zu Anzeige wegen Untreue. Der 53-Jährige habe seine Befugnisse missbraucht und sich wirtschaftliche Vorteile verschafft, hieß es in der Anklage der Staatsanwaltschaft.


Von den 13.160 Euro seien 6.000 Euro an seine Tochter gegangen, die dieses Geld aus einer Versicherung bereits im Jahr 2011 von ihrer Oma für die Ausbildung versprochen bekommen habe, was zudem schriftlich festgehalten war. Ein Großteil des restlichen Geldes sei beispielsweise für die Haushaltsauflösung draufgegangen. Allerdings habe er auch kleinere Beträge für sich behalten. Dies sei auch in der Vergangenheit oft so gewesen, weil seine Mutter und er immer ein „traumhaftes Verhältnis“ gehabt hätten. So sei auch ein Teil des Geldes für Weihnachtsgeschenke für die Familie ausgegeben worden.


Nachdem der Heimbetreiber dem Gericht keinen konkreten Heimvertrag vorlegen konnte und auch in Detailfragen eher unpräzise antwortete, zeichnete sich ab, dass der Untreue-Vorwurf nicht nachzuweisen oder zu halten sei, zumal der Angeklagte seine Zahlungsbereitschaft erklärte, sobald eine nachvollziehbare Berechnung des Seniorenheimes vorliege. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange sprach den Angeklagten frei und folgte damit gleichlautenden Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.            



Das Urteil vom 7. Februar 2017 (Az.: 13 Ls 90/16 – 805 Js 1213/15) ist noch nicht rechtskräftig.






                                                           22.12.2016


Mehrmals waghalsig überholt und einige rote Ampeln ignoriert

 

Wilde Verfolgungsfahrt dauerte fast eine Viertel-stunde. Schöffengericht verurteilt 40-jährigen Dürener zu Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten.


Düren. Rückblickend hat ein heute 40-Jähriger aus Düren im August 2015 eine ganze Reihe von Schutzengeln oder zumindest enormes Glück gehabt. Beim Abbiegen an der Kreisstraße 27 im Dürener Stadtteil Birgel hatte der Autofahrer mit seinem Pkw das Auto einer Frau touchiert und leicht beschädigt. Dennoch gab der Verursacher Gas und flüchtete. Nicht ohne Grund, wie sich herausstellen sollte. Knapp drei Wochen vorher war ihm die Fahrerlaubnis entzogen worden.


Die Unfallflucht entwickelte sich schnell zur wilden Verfolgungsfahrt mit der Polizei. Bereits an der Kreuzung K 25/B 399 ignorierte der Fahrer die rote Ampel. Nicht anders an der Schillingstraße, ehe es weiter Richtung Derichsweiler ging. In Höhe Merode überholte er ein Fahrzeug derart riskant, dass der entgegenkommende Fahrer abbremsen musste, um einen Unfall zu vermeiden. Ähnliches erfolgte dann noch einmal zwischen Neu-Pier und Jüngersdorf. Nach etwa einer Viertelstunde und weiteren riskanten Fahrmanövern und missachteten Ampelsignalen, gelang es den Besatzungen zweier Streifenwagen an der L 241 in Höhe des Kraftwerks Weisweiler, den Fahrer zum Anhalten zu zwingen. Wie eine fast 15-minütige Videoaufzeichnung im Gerichtssaal dokumentierte, hatte ein Streifenwagen das Fluchtfahrzeug ausgebremst und ein nachfolgender Polizeiwagen den Rückweg abgeschnitten.


Trotzdem gab der 40-Jährige nicht auf, bugsierte seinen Pkw aus seiner „Falle“ und richte dabei an den beiden Dienstfahrzeugen rund 8.200 Euro Sachschaden an. Erst auf der Autobahn A 4 Richtung Aachen kam der offenbar unter Drogeneinfluss stehende Mann zur Vernunft und hielt auf dem Seitenstreifen an.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den Dürener unter Einbeziehung eines Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Aachen vom Januar 2016 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Das wiederum war die Quittung für mehrere Gesetzesverstöße wie Gefährdung des Straßenverkehrs, Verkehrsunfallflucht, Sachbeschädigung, Fahren ohne Führerschein sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Dabei wurde wegen der damaligen Alkohol- und Drogenabhängigkeit des Angeklagten eine „verminderte Schuldfähigkeit“ berücksichtigt.


Nur geringfügig fiel der Diebstahl von zwei Flaschen Bier an einer Tankstelle ins Gewicht, der allerdings ebenfalls mit angeklagt war. Zu den Bewährungsauflagen gehört eine Geldbuße in Höhe von 1.500 Euro.              

    

Das Urteil vom 22. Dezember 2016 (Az: 13 Ls 93/16 – 104 Js 865/15) ist noch nicht rechtskräftig.




15.12.2016

Bewährungsstrafe

nach heftiger Randale

vor der Kneipe

 

24-Jähriger aus Düren

rastete im Vollrausch aus.

Wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung, Beleidigung und Widerstand verurteilt. Vermindert schuldfähig.


Düren. „Da hatte der Angeklagte wohl einen schlechten Tag erwischt“, räumte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer bei der Würdigung der Tatvorwürfe ein.


Der heute 24-jährige Mann aus Düren hatte am 25. Juni vergangenen Jahres in und vor einer Gaststätte im Vollrausch heftig randaliert. Kurz vor Mitternacht hatte er zunächst die Zeche in Höhe 16,90 Euro nicht bezahlt, Gäste und Wirtin beschimpft, einen 66-jährigen Gast mit dem Messer bedroht und von diesem 30 Euro gefordert, nach Polizeibeamten getreten und ihnen und deren Familien mit der „russischen Mafia“ gedroht, also bei seiner Festnahme erheblichen Widerstand geleistet. 


In Anlehnung an den „schlechten Tag“ damals, hatte der junge Mann im Prozess vor dem Schöffengericht eher Glück.

Eine medizinische Gutachterin hatte das Ergebnis einer Blutentnahme aus der Tatnacht hochgerechnet, um die wahrscheinliche Alkoholkonzentration zur Tatzeit zu ermitteln. Dabei kam sie auf den Wert von 3,16 Promille.

Dies wiederum führte dazu, dass das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit ausging, was auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft bereits in seinem Antrag berücksichtigt hatte.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den 24-Jährigen wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung, versuchter Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat. Für den Angeklagten, der bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.


Zu den Bewährungsauflagen, die das Gericht dem Dürener machte, gehören unter anderem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie ein intensiver Kontakt zur Drogenberatung. Positiv wertete das Gericht, dass der Angeklagte kurz nach dem Vorfall die Wirtin um Verzeihung gebeten, seinen Deckel beglichen und sich auch bei den beiden anderen Gästen entschuldigt hatte. Erhebliche Reue hatte er auch am ersten Prozess-Tag gezeigt und die Polizeibeamten um Entschuldigung gebeten. 

  

Das Urteil vom 15. Dezember 2016 (Az.: 13 Ls 127/15 – 805 Js 1106/15) ist rechtskräftig.

 




09.12 2016

Gericht hält Angeklagten für den Drahtzieher mehrerer Einbrüche

 

46-Jähriger Angeklagter wird zu drei Jahren und sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Zudem Betrug in 34 Fällen mit über 200.000 Euro Schaden. 

 

Düren. Die Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten blieben ohne Wirkung. Das Dürener Schöffengericht verurteilte einen 46 Jahre alten Mann, der aus Bosnien-Herzegowina stammt und seit mehreren Jahren mit seiner Familie in Düren lebt, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sieben Monaten. Dem Familienvater wurden umfangreiche Betrügereien im Jahr 2010 zum Nachteil einer inzwischen 62-jährigen Frau vorgeworfen, deren Schadensumme laut Gericht alles in allem über 200.000 Euro liegt.


Als Zeugin erklärte die Geschädigte, sie habe dem Sohn des Angeklagten aus Hilfsbereitschaft bei der Existenzgründung geholfen und für einen Kiosk neben dem Warenbestand auch Geld für ein Auto, mehrere Mieten und die Kaution vorgestreckt. Um das Geld zurückzuzahlen habe der 46-Jährige ihr gesagt, die Familie wolle ihr Haus in Bosnien-Herzegowina verkaufen. In diesem Zusammenhang, so die Frau, seien immer neue Geldforderungen gekommen – etwa für Gebühren, Notarkosten, Steuern, eine notwendige Dachreparatur und Reisespesen. Schließlich habe sie, so die Zeugin, erfahren, dass die vermeintliche Immobilie überhaupt nicht der Familie gehöre. Der Angeklagte bezeichnete diese Schilderungen als frei erfunden.  


Außerdem wurde dem Mann, der seit Anfang Oktober an fünf Verhandlungstagen vor Gericht stand, vorgeworfen im November 2013 gewerbsmäßig und mit Komplizen Wohnungseinbrüche in Düren-Lendersdorf, Nideggen-Schmidt und Kreuzau-Thum begangen zu haben.

In einem Fall machte die Bande offensichtlich keine Beute, weil sie von den heimkehrenden Bewohnern überrascht wurde.


Zu Beginn des Prozesses hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft deutlich gemacht, dass die Ermittler den 46-Jährigen für den Kopf der Einbrecherbande halten. Die Tätergruppe war auf der Fahrt zum Tatort in Lendersdorf von der Polizei abgehört worden, nachdem das Amtsgericht Aachen den Einsatz dieser technischen Mittel ausdrücklich angeordnet hatte. Einige abgehörte Textpassagen waren nach Überzeugung der Ermittler dem Angeklagten zuzuordnen.


Was seine vermeintliche Rolle als Drahtzieher betrifft, wurde es am fünften Verhandlungstag für den Angeklagten ebenfalls eng. Ein Haftrichter aus Berlin sagte als Zeuge in Düren aus, dass im November 2013 ein Beschuldigter aus Bosnien-Herzegowina, der ihm nach der Festnahme zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt worden war, den jetzigen Angeklagten beschuldigt habe. Dieser habe ihn zu Straftaten gedrängt, um so die „Reisespesen“ nach Deutschland „abzuarbeiten“.


Ähnlich auch die Aussage eines Dürener Jugendrichters, der 2014 in Prozessen von drei geständigen Angeklagten, denen Einbrüche und bandenmäßiges Vorgehen vorgeworden worden war, berichtete. Sie hätten ebenfalls von einem „Mann im Hintergrund“ – dem jetzigen Angeklagten – gesprochen, der sie angestiftet haben soll. Dieser Hinweis habe in den damaligen Jugendstrafverfahren keine Rolle gespielt, weil die jungen Angeklagten angesichts der Geständnisse verurteilt werden konnten. Allerdings habe damals einer der Jugendlichen der Staatsanwaltschaft angeboten, weitere Hinweise zu liefern.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lange folgte mit der Verurteilung wegen schweren Bandendiebstahls in drei Fällen sowie gewerbsmäßigen Betrugs in 34 Fällen fast dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf eine Gesamtstrafe von vier Jahren plädiert hatte. Die beiden Verteidiger hatten „Freispruch“ gefordert.

              

Das Urteil vom 9. Dezember 2016 (Az. 13Ls 56/16 – 401 Js 116/14) ist noch nicht rechtskräftig.

 


                                                   

  10. November 2016   

                                                  

Beim Einkaufen mit Falschgeld bezahlt

 

Schöffengericht verurteilt 45-jährigen Dürener zu einem Jahr und sieben Monaten Haft. Kassiererin im Einkaufszentrum fielen die „Blüten“ auf.


Düren. An zwei Verhandlungstagen hatte sich ein 45 Jahre alter Mann aus Düren wegen gewerbsmäßiger Geldfälschung und der Verbreitung dieser „Blüten“ vor dem Schöffengericht zu verantworten. Aufgefallen war er Mitte September 2014 in einem Einkaufszentrum am Heerweg in Düren, als er abends kurz vor Geschäftsschluss der Kassiererin zum Bezahlen drei falsche Einhundert-Euro-Scheine gab.

Vor Gericht schilderte diese Kassiererin, dass sich die Scheine „merkwürdig angefühlt“ hätten. Nachdem das Prüfgerät an ihrer Kasse nicht eindeutig reagiert habe, sei sie an den Geldscheinprüfer der Nachbarkasse gegangen. Inzwischen habe sich auch die Teamleiterin eingeschaltet und dem Kunden erklärt, sie müsse die Polizei rufen. Nach Aussage der beiden Frauen habe der Angeklagte als damaliger Kunde der Mitarbeiterin die Geldscheine aus der Hand gerissen. Eine Zahlung per Karte scheiterte ebenfalls, lieferte aber offensichtlich persönliche Daten, die zu dem Angeklagten führten. Zudem hatte sich ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes das Autokennzeichen notiert, mit dem der Kunde und seine Begleiterin den Parkplatz verlassen hatten. Die Polizei fand später bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Mannes mehrere „Blüten“ im Nennwert von 50, 100 und 200 Euro.


Der Angeklagte, der nach eigener Aussage damals bereits über einen längeren Zeitraum täglich Amphetamine und erhebliche Mengen Alkohol konsumierte, hatte vor Gericht Erinnerungslücken, will aber das Falschgeld von einem Bekannten erhalten haben. Dem habe er eine hochwertige Disko-Anlage verkauft und zudem Geld geliehen. Der so von dem Angeklagten beschuldigte Mann aus der Gemeinde Hürtgenwald sagte als Zeuge aus, dass er dem Angeklagten nie einen größeren Betrag geschuldet habe. Von einem Umschlag mit Geld wisse er ebenfalls nichts.


Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den 45-Jährigen wegen gewerbsmäßiger Geldfälschung und dem unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten ohne Bewährung. Denn neben einer positiven Sozialprognose sollten „besondere persönliche Umstände“ eine Strafaussetzung zur Bewährung rechtfertigen. Diese sah das Gericht in diesem Fall als nicht gegeben.


In der Urteilsbegründung sprach die Vorsitzende Richterin unter anderem an, dass die Aussage des Angeklagten widersprüchlich war. Ins Gewicht fiel zudem, dass auf dem sichergestellten Computer des 45-Jährigen hochwerte Software zum Einscannen von Banknoten gefunden worden waren. Der Angeklagte habe als IT-Fachmann fundierte Kenntnisse zur Benutzung dieser PC-Programme.


Wegen des damaligen Alkohol- und Drogenkonsums sah das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten als gegeben an, was  sich auf die Höhe des Strafmaßes auswirkte. Ob dies für den Angeklagten wirklich spürbar wird, bleibt offen. Denn am Rande des Prozesses in Düren stellte sich heraus, dass der Angeklagte einen Tag zuvor wegen Vergewaltigung unter Verwendung von K.-o.-Tropfen sowie Körperverletzung vom Landgericht Aachen zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. 


Das Urteil vom 10.November 2016 (Az. 13 Ls 9/16 – 609 Js 2133/14) ist noch nicht rechtskräftig.







Archiv


                                                             29.06.2016

Nach mehreren Betrügereien

für drei Jahre ins Gefängnis  

 

Das Dürener Schöffengericht berücksichtigt auch den Gesundheitszustand des Angeklagten, der sich teilweise selbst als Opfer sieht.


Düren. Von den ursprünglich 21 Betrügereien zwischen Mai 2009 und September 2011 blieben am Ende des Prozesses „nur“ zwölf Vorwürfe übrig, die für eine Verurteilung ausreichten. Angeklagt war ein 55 Jahre alter Mann aus Hattingen, der damals in Jülich wohnte, sich aber bis zuletzt eher selbst als Opfer sieht. Das Gericht stockte ein früheres Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf wegen sechs neuer Betrugsfälle zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf. Wegen Betrugs in sechs weiteren Fällen wurde der Angeklagte vom Dürener Schöffengericht dann zu weiteren 18 Monaten Freiheitstrafe verurteilt. Macht zusammen drei Jahre Gefängnis.


Das gesamte Verfahren war gekennzeichnet durch mehr oder weniger starke emotionale Ausbrüche des Angeklagten aber auch einiger Zeugen, so dass die Vorsitzende Richterin Verena Neft mehrfach energisch zur Ruhe mahnen musste. Das war auch am letzten Tag der Hauptverhandlung der Fall, als das vermeintliche Hauptopfer als Zeugin vernommen wurde. Möglicherweise spielte der lange zeitliche Abstand ja eine Rolle, aber die 52-jährige aus Düren stammende Frau hatte immer wieder große Erinnerungslücken, so dass das Gericht deren Aussagen teilweise als „nicht eindeutig, nicht konstant und nicht widerspruchsfrei“ bezeichnete. Während der Angeklagte die Zeugin zur damaligen Zeit als „aufdringliche Person“ bezeichnete, warf die 52-jährige nicht unvermögende Frau dem Mann auf der Anklagebank vor, ihre damalige Situation nach dem plötzlichen Tod ihres Lebensgefährten ausgenutzt zu haben. Unter anderem soll der Angeklagte die Frau zu überteuerten Renovierungskosten oder zum Kauf eines Motorschiffes für 15.000 Euro sowie eines Beibootes für 3000 Euro überredet haben. Die beiden Wasserfahrzeuge verschwanden offenbar in der Folgezeit spurlos.


Ein junger Mann aus Jülich hatte dem Angeklagten damals den gebrauchten Pkw seines Vaters samt Papieren überlassen. Von dem vereinbarten Kaufpreis in Höhe von 1200 Euro habe er nichts erhalten. Stattdessen flatterte ein Knöllchen wegen Tempo-Überschreitung ins Haus sowie später die Mitteilung, dass mit dem Auto ein „Unfall gebaut“ worden sei. Dies alles sei dumm gelaufen, räumte der Angeklagte ein und versprach außergerichtlich, den ausstehenden Kaufpreis in Raten zu überweisen. Ein weiterer Zeuge berichtete, er habe für ein hochwertige Spezial-Messgerät 1500 Euro an den Angeklagten gezahlt, das Gerät jedoch nie erhalten.


Ständig beobachtet wurde die Hauptverhandlung auch von einem Arzt für Psychiatrie, der zugleich als Gutachter bestellt war. Der Facharzt erklärte, dass bei dem Angeklagten unter anderem eine „deutliche Störung des Sozialverhaltens“ vorliege. Hinweis auf eine Erkrankung des Angeklagten seien auch immer wieder auftretende Größenfantasien. Ungeachtet dessen sei der 55-Jährige zu jedem Zeitpunkt in der Lage gewesen, das Unrecht einzusehen und somit voll schuldfähig.                                               

Das Urteil vom 29. Juni 2016 (Az.: 13 Ls 100/14 – 502 Js 1817/09) ist noch nicht rechtskräftig.

 



                                                    


14.04.2016

Strafaussetzung zur Bewährung war

nicht mehr drin

 

Das Dürener Schöffengericht verurteilt ehemaligen Rechtsanwalt wegen Betruges zu zwei Jahren und vier Monaten

 

Düren. Zum wiederholten Male fand sich ein ehemaliger Rechtsanwalt aus dem Kreis Düren auf der Anklagebank des Gerichts wieder. Bei seiner Verurteilung im Dezember 2014 war der jetzt 45 Jahre alte Jurist, der bis Ende 2013 seine Kanzlei in Düren hatte, wegen Untreue in mehreren Fällen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Allerdings schrammte er damals knapp an der Gefängniszelle vorbei. Die Strafe wurde -  unter anderem weil er Wiedergutmachung der Schäden versprach- zur Bewährung ausgesetzt. Seine Zulassung als Rechtsanwalt hatte er damals bereits „freiwillig“ zurückgegeben und war damit gewissermaßen einem Verfahren der Staatsanwaltschaft, das die Entziehung dieser Zulassung zur Folge gehabt hätte, zuvorgekommen.

 

Damaliger Hauptvorwurf war, dass er als Anwalt mehrfach erheblich Geldbeträge, die etwa nach einem schweren Unfall beziehungsweise einer Erbauseinandersetzung aus der Zeit zwischen 2009 und 2012 eigentlich für seine Mandanten bestimmt waren, zunächst nicht ordnungsgemäß weitergeleitet hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen gewerbsmäßiger Untreue angeklagt.

 

Die neueste Anklage bezog sich nun auf einen Vorwurf aus dem Herbst 2012. Damals befand sich der Jurist offenbar auch oder wieder in finanzieller Schieflage. Von einer Freundin in München, mit der er nach eigenem Bekunden eine Beziehung hatte und deren Scheidung er juristisch begleitete, lieh er sich 42.000 Euro. Ein Investor, mit dem der Jurist zu tun hatte, forderte von ihm diese Summe und hatte nach dem Mahnverfahren inzwischen auch den Gerichtsvollzieher samt Vollstreckungsbescheid vorbeigeschickt.

Um dem Lebensgefährten, der noch verheiratet war und mit seiner Familie im Nordkreis lebte – was die heute 42Jährige nach eigenem Bekunden damals nicht wusste – zu helfen, überwies sie den Betrag auf das Konto einer Anwaltskanzlei. Seitdem habe sie nur noch selten von dem Juristen gehört, geschweige denn Geld gesehen.

 

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den Angeklagten unter Einbeziehung diverser Vorstrafen wegen Betrugs zu einer Freiheitstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. In dieser Größenordnung war eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht mehr drin. Bei der Urteilsbegründung bezeichnete die Vorsitzende die finanzielle Lage des Angeklagten als „einfach desaströs“. Selbst der beabsichtigte Verkauf von zwei Immobilien aus dem Besitz des ehemaligen Rechtsanwalts hätte zur Begleichung der finanziellen Verpflichtungen vermutlich nicht ausgereicht, da beide Häuser „bis zur Oberkante“ belastet waren. 

 

Der Jurist, der inzwischen in Scheidung lebt, muss übrigens mit einem weiteren Prozess rechnen. Bei der Abgabe der so genannten Eidesstattlichen Versicherung über seine Vermögensverhältnisse soll er ein Konto, über das er Vollmacht hatte, nicht angegeben haben. 

 

Das Urteil vom 14. April 2016 (Az.: 13 Ls 141/15 – 609 Js 1006/15) ist noch nicht rechtskräftig.

 

 

 

 

                                                            29.03.2016

 

                 Nach Kraftprotzerei

    mit blauem Auge davon gekommen 

 

28-jähriger Dürener hob nachts Gulli- und Kanaldeckel aus dem Schacht. Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr angeklagt.

 

Düren. Sicherlich spielte der erhebliche Alkoholkonsum in einer April-Nacht 2014 eine wesentliche Rolle, die jetzt einen 28-jährigen Dürener vor Gericht brachte.

 

Auf dem Heimweg nach einer Feier, gegen 3.45 Uhr, präsentierte sich der junge Mann plötzlich als „Kraftprotz“. In Begleitung von drei jüngeren Freunden hob er nach eigenem Geständnis an der Fritz-Erler-Straße einen viereckigen Gullideckel aus dem Schacht und warf diesen auf den Bürgersteig. Das alles gelang ihm trotz einer Blut-Alkoholkonzentration von rund zwei Promille. Da er bei seinem Kraftakt jedoch von zwei Polizeibeamten beobachtet worden war, wurde er ermahnt, die Abdeckung ordnungsgemäß zurückzulegen, was er auch tat. Eine Straße weiter jedoch schienen alle Ermahnungen vergessen, denn der Angeklagte hob dort einen noch größeren runden Kanaldeckel mitten auf der Straße aus seiner Lagerung. Und wieder sorgte die Polizei dafür, dass der Verursacher die Gefahrenstelle wieder beseitigte indem er den schweren Deckel zurück in den Schacht legte. Da der junge Mann aber zugleich aggressiv wirkte, übernachtete er bis zur Ausnüchterung in Polizeigewahrsam. Seine drei jüngeren Freunde hatten derweil das Weite gesucht.

 

Für den 28-Jährigen hatte der Vorfall jetzt ein Nachspiel vor dem Dürener Schöffengericht. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr angeklagt. Vor Gericht beteuerte er, dass ihm die damit verbundenen Gefahren damals gar nicht bewusst gewesen seien. Er habe mit seinem „doofen Verhalten“, wie er es selbst nannte, keineswegs beabsichtigt, Menschen in Gefahr zu bringen oder Sachschäden zu verursachen. So etwas werde nicht wieder vorkommen, versicherte der junge Mann, dem sein damaliges Tun offensichtlich auch heute, knapp zwei Jahre später, noch ziemlich peinlich ist. „Die Nacht in der Ausnüchterungszelle bei der Polizei hat mir gereicht“, gab er kleinlaut zu. Erst am Morgen danach seien ihm die Gefahren bewusst geworden. Reue, Einsicht sowie sein Geständnis passten ebenso zu dem Mann auf der Anklagebank, wie der Hinweis, dass er bisher strafrechtlich nie in Erscheinung getreten war.  

  

Bei der Verurteilung kam er mit einem blauen Auge davon. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft sprach ihn frei. In der Begründung hieß es, dass kein Vorsatz für die Gefährdung des Straßenverkehrs vorgelegen habe, weil er selbst– wenn auch auf Verlangen der Polizei – die Kanaldeckel wieder zurück gelegt habe.

 

Das Urteil vom 29. März 2016 (Az.: 13 Ls 147/15 – 902 Js 57/15) ist noch nicht rechtskräftig.

 

                                                      

 

 

 

08. 03. 2016

 

Arbeiten rund ums Haus: Unvollständig, unfachmännisch und überteuert 

 

Schöffengericht verurteilt zwei Dürener wegen Betruges zu Bewährungsstrafen.

Zu den Auflagen gehören jeweils 100 Sozialstunden und Ratenzahlungen an die Opfer. 

 

Düren/Langerwehe. Als schnell verdientes Geld sahen zwei junge Männer aus Düren ihr„ Geschäftsmodell“ an, im Sommer 2014 in Langerwehe, Alsdorf und Eschweiler Reinigungsarbeiten rund ums Haus anzubieten. Da sie aber offensichtlich ohne Ausbildung und Fachkenntnisse ans Werk gingen, blieben Reklamationen nicht aus.  Nachdem sie kräftige Vorschüsse kassiert hatten, brachten sie die Arbeiten offensichtlich nicht ordnungsgemäß zu Ende. Da die beiden Männer unter der hinterlassenen Handy-Nummern nicht erreichbar waren, wurden sie angezeigt.

 

Die Staatsanwaltschaft klagte die heute 25 und 27 Jahre alten Männer wegen gewerbsmäßigen Betrugs in fünf Fällen an. Auffällig war zudem, dass es sich bei den Opfern überwiegend um Senioren im Alter zwischen damals 71 und 89 Jahren handelte. In der Anklageschrift, zu Beginn des Prozesses ausführlich verlesen, wurden die Dienstleistungen der beiden Angeklagten so beschrieben: unvollständig, unfachmännisch und überteuert.

 

So sollte die Bearbeitung einer Garageneinfahrt mit einem Hochdruckreiniger 1950 Euro kosten, die Reinigung einer Hausfassade 2500 Euro, eine andere Einfahrt 1300 Euro, die Sanierung einer Einfahrt rund 4000 Euro, die Säuberung von Waschbetonplatten einer Terrasse 2000 Euro und eine nach Ansicht der Anklagebehörde völlig überflüssige Dachsanierung 4200 Euro.

 

Im Laufe des Verfahrens brachten die beiden Angeklagten einen weiteren Mann ins Spiel. Der sei eigentlich Chef des Unternehmens gewesen und in dessen Auftrag hätten sie nur gearbeitet. Von diesem „Chef“ nannten sie dem Gericht allerdings nur den Vornamen. Nachname, Adresse oder Telefonnummer – Fehlanzeige. Nachdem die Vorsitzende Richterin Verena Neft daraufhin gewisse Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Version geäußert und eine erneute Beratung der Angeklagten mit ihren Verteidigern empfohlen hatte, räumten die beiden Dürener die Betrugsvorwürfe ein. Dabei ließen sie jedoch erklären, dass sie von dem Anstifter selbst „ü ber den Tisch gezogen“ worden seien.   

 

Von den ursprünglich fünf Tatvorwürfen wurden zwei eingestellt. Wegen gewerbsmäßigen Betruges verurteilte das Gericht den 25-Jährigen, der weitgehend als Wortführer auftrat, zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, den 27-Jährigen zu einem Jahr und zwei Monaten. Zu den Auflagen gehören je 100 Stunden gemeinnützige Arbeiten sowie jeweils monatliche Wiedergutmachungszahlungen in Höhe von je zehn Euro an drei Betrugsopfer.  

         

Das  Urteil vom 08. März 2016 (Az.: 13 Ls 43/15 – 805 Js 1330/14) ist   rechtskräftig.

 

 

 

 

 

                                                       15.02.2016                                

 

Junger Asylbewerber muss zurück in die Gefängniszelle

 

Schöffengericht verurteilt 27- Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstandes, Bedrohungen und Beleidigungen

zu 20 Monaten Haft.

 

Düren/ Nörvenich. Lediglich zur Person machte ein Angeklagter vor dem Dürener Schöffengericht Angaben. Danach ist er 27 Jahre alt und stammt aus dem Irak. 2007 sei er als Asylbewerber nach Deutschland gekommen, habe erst in einem Heim in Köln-Deutz gelebt und sei ein Jahr später in den Kreis Düren gekommen. Nach Drogen- und Alkoholkonsum befragt, gibt er zu, bis zum letzten Sommer Cannabis, Amphetamin und gelegentlich Kokain konsumiert zu haben.

 

Die Staatanwaltschaft hat ihn angeklagt und wirft ihm eine ganze Reihe von Straftaten vor: Körperverletzung, versuchten Diebstahl, Nötigung und Widerstand gegen Polizeibeamte. Seit sieben Monaten befindet er sich in Untersuchungshaft.

 

Ins Gefängnis wurde der 27-Jährige nach dem Fortsetzungstermin auch wieder zurückgebracht. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Die Eigentumsdelikte – der versuchte Diebstahl einer Geldbörse und bei anderer Gelegenheit eines Handys – sowie eine Schlägerei vor einem Lokal in Norddüren waren dem Angeklagten nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachzuweisen.

Somit wurde dem Angeklagten „nur“ gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung zur Last gelegt.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft ist davon überzeugt,  dass der 27-Jährige, der in den letzten Jahren in einer Flüchtlingsunterkunft in Nörvenich wohnte, Ende Juni 2015 am Langemarckpark in Düren einen Kontrahenten im Streit mit einem Taschenmesser am Bein verletzt hat.

 

Ein zweiter Tatkomplex begann mit einem Polizeieinsatz an dem besagten Nörvenicher Flüchtlingsheim im Sommer 2015. Damals war der Angeklagte von einem Mitbewohner beschuldigt worden, hochwertige Elektrogeräte,die angeblich aus Diebstählen stammten, verkaufen zu wollen. Den Beamten fiel unter anderem ein gestohlenes Laptop in die Hände. Eine Polizistin, die mit der arabischen Sprache so vertraut ist, dass sie diese weitgehend versteht, hatte gehört, dass der Angeklagte einen anderen Mann auf Arabisch aufforderte: „Schaff die Tasche weg!“  Bei diesem Einsatz wurde der 27-Jährige wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen. Er wehrte sich jedoch heftig, und versuchte einen Polizisten mit einem Kopfstoß zu attackieren. Der Tatverdächtige wurde schließlich mit Handschellen auf dem Rücken fixiert und zudem „liegend transportiert“. Dabei hagelte es offenbar heftige Beleidigungen und massive Bedrohungen, die nach Ansicht einer Gutachterin auf zuvor konsumierte Drogen zurückzuführen waren. Eine vom Gericht als mögliche Sanktion in Erwägung gezogene Drogentherapie lehnte der Angeklagte ab. Da eine positive Sozialprognose auch angesichts mehrerer Vorstrafen nicht zu erkennen war, blieb nur der Weg zurück in die Gefängniszelle.

 

DasUrteil vom 15.Februar 2016 (Az.: 13 Ls 114/15 – 510 Js 446/15) ist noch nicht rechtskräftig.

 

 

 

 

 

                                                             12.01.2016                                          

 

 

Auf der Autobahn einen

anderen Pkw „ausgebremst“ 

 

Nach Urteil des Dürener Gerichts muss ein 38-jähriger Autofahrer 900 Euro zahlen. Zunächst auch „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“ angeklagt.

 

 

Düren. Die Staatsanwaltschaft hatte einem 38-Jährigen aus Elsdorf nach einem Vorfall vom 24. November 2014 wegen Nötigung, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr einen Strafbefehl zugestellt. Der Beschuldigte war damit nicht einverstanden, so dass er sich jetzt als Angeklagter vor dem Dürener Amtsgericht zu verantworten hatte.

 

Vielfahrer auf der Autobahn erleben die Ausgangslage des Prozesses nicht selten. Auf der linken Fahrspur ist ein Auto unterwegs, als ein nachfolgender Pkw-Fahrer mit Blinker und Lichthupe deutlich macht, das er vorbeifahren will – und zwar möglichst schnell, am besten sofort. So oder so ähnlich erging es auch einem 39 Jahre alten Handwerker aus Düren, der mit seinem Kombi damals zwischen 18.30 und 19 Uhr auf der A 4 zwischen Merzenich und Düren unterwegs war.

Der jetzige Angeklagte habe ihn rechts überholt, mit dem Pkw auf seine Spur gewechselt und dann ausgebremst. Dieses Fahrmanöver hätte sich sogar wiederholt, so dass er rechts auf den Standstreifen gefahren sei und angehalten habe. Der Angeklagte habe seinen Wagen schräg davor gesetzt, sei ausgestiegen, habe gegen einen Scheinwerfer getreten und laut schimpfend die Beifahrertür aufgerissen.

Der Handwerker sagte aus, er sei von dem Kontrahenten danach noch bis ins Gewerbegebiet Niederzier-Rurbenden verfolgt worden.

 

Der Angeklagte schilderte die Situation weniger dramatisch. Er gab zu, rechts überholt zu haben, was er auch als Fehler einräume. Nach dem Wechsel auf die linke Spur habe er kurz aufs Bremspedal getippt. Der so Attackierte räumte Erinnerungslücken ein, er habe aber damals stark bremsen müssen. Auf Befragen versicherte er aber, er habe das Fahrzeug trotzdem jederzeit sicher führen können. Dies bewahrte den Angeklagten vor einer Verurteilung wegen gefährlichen Eingriffs in der Straßenverkehr, was neben einer höheren Verurteilung möglicherweise auch eine „gewisse Zeit ohne Führerschein“ für ihn bedeutet hätte, wie es die Amtsanwältin beantragt hatte.

 

Richterin Verena Neft verurteilte den Angeklagten wegen Nötigung zu einer Geldstrafe in Höhe von  60 Tagessätzen zu je 15 Euro.     (hp.)

 

Das Urteil vom 12. Januar 2016 (Az.: 14 Cs 458/15 – 402 Js 984/15) ist rechtskräftig.

 

 

 

 

 

 

17.12.2015 

 

Familiäre Spannungen enden mit blutiger Attacke. 


Schöffengericht verurteilt 41-Jährige zu zwei Jahren auf Bewährung. Sie hatte auf ihren schlafenden Ehemann eingeschlagen und eingestochen.


Düren / Hürtgenwald. Morgens gegen fünf Uhr war der Familienfrieden zu Ende. Da brannten bei einer 41-jährigen Frau in Hürtgenwald offenbar gleich mehrere Sicherungen durch. Sie verließ das Bett, griff zu  einem im Flurl iegenden Zimmermannshammer, holte aus dem Nachttisch ihres 45 Jahre alten Mannes ein Anglermesser und schlug und stach auf den schlafenden Ehemann ein. Als kurz darauf ihr 16-jähriger Stiefsohn in der Tür stand, beendete sie die Attacke, warf Messer und Hammer aufs Bett und lief ins Erdgeschoss. Der Mann kam ins Krankenhaus, die Frau in eine psychiatrische Einrichtung.

 

Das war am 3. August. Viereinhalb Monate später hatte die Frau sich jetzt vor dem Dürener Schöffengericht zu verantworten. Von zwei Schlägen mit dem Hammer berichtet sie dem Gericht unter Tränen. An die Messerstiche, so beteuert sie, könne sie sich nicht erinnern. Dabei wurden später bis zu 13 Stiche – einer davon an der Schulter 7 cm tief, andere als leichte Oberhauteinritzungen qualifiziert– in den Gutachten festgehalten.

 

Zunächst ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen  eines versuchten Tötungsdeliktes, letztendlich aber  blieb es  „nur“  bei einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung. Vor Gericht kam auch die Vorgeschichte des Paares zur Sprache. Als sie im Mai 2015 heirateten, zweieinhalb Monate vor der Tat, hatten beide jeweils eine gescheiterte Ehe hinter sich. Beide brachten Kinder mit in die Ehe und allem Anschein nach funktionierte diese Patchwork-Familie. Gemeinsam wurde das gemietete Haus renoviert denn es gab die Absicht, diese Immobilie zu kaufen. Seit der Eheschließung fühlte sich die Ehefrau allerdings immer wieder durch ihrem Mann harsch kritisiert und gedemütigt. Sie habe ihm nichts recht machen können. Er habe fast immer schroff reagiert und sei auch gegenüber ihrer Tochter zeitweilig cholerisch geworden. Die Bluttat selbst geschah dennoch, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer, sozusagen „aus heiterem Himmel“.

 

Letztlich bewahrten medizinische Gutachten die 41-Jährige vor der Haft. So bescheinigte eine Fachärztin der Angeklagten zum Tatzeitpunkt eine „erhebliche Einschränkung von Steuerungsfähigkeit und der Schuldfähigkeit“.  

 

Das Schöffengericht unter Vorsitzvon Richterin Christine Pinkpank verurteilte die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, setzte deren Vollstreckung aber zur Bewährung aus. Zu den Auflagen gehört, dass die Frau eine Psychotherapie fortsetzt.   (hp.)

 

Das Urteil vom 17. Dezember 2015 (Az.: 13 Ls 103/15 – 401 Js 367/15) ist rechtskräftig.

 

 

 



 

 
Journalist Hartmut Prüss
Hartmut Prüss, Journalist aus Niederzier